Man kann nichts ändern ohne alles zu ändern!

Martin Huber

 

Wie bei einem Bild oder einer Plastik, bei denen jeder Strich oder jeder Schlag Einfluss auf das Gesamtwerk hat, kann man auch jede menschliche Gemeinschaft als einen eigenständigen Organismus bzw. als Kunstwerk betrachten. Bezogen auf unsere Schule heißt das zunächst, dass zu Beginn dieses Schuljahres viele neue Elemente hinzugekommen sind, die es nun in das Gesamtbild  zu integrieren gilt: neue Schüler, neue Lehrer, neuer Vorstand, neue Eltern, neuer Stundenplan. Aber auch der Weggang von Lehrern, Eltern und Schülern, eine andere Altersstufen- und Geschlechtermischung haben einen nicht unerheblichen Einfluss auf das Gesamtgebilde „SoWoLL“. Wir haben zwar inzwischen einen „alten“ Kern, der immerhin für alles neu Hinzugekommene eine gewisse Form und Struktur vorgibt, der sich zugleich aber auch wieder wandeln und anpassen muss. Das erfordert vor allem Zeit, die wir uns einfach gönnen sollten, auch wenn sie heutzutage keiner mehr zu haben glaubt.

 

Inzwischen sind die ersten beiden Schulwochen fast rum! Und ein kleiner Rückblick scheint angebracht.

 

Kurz vor Unterrichtsbeginn ist es uns gelungen eine neue Englischlehrerin zu engagieren. Melanie Marmsaler kam dann gleich am ersten Schultag mit dazu, um die Kinder kennenzulernen und sich vorzustellen. Sie ist jung, tatkräftig und sehr angetan von und interessiert an unseren pädagogischen Ideen. Sie unterrichtet zwei Lerngruppen je 1 Zeitstunde 2x wöchentlich. Zum nächsten Elternabend wird sie kommen. Den Kindern gefiel die neue "Miss teacher" gleich sehr gut. Sie haben das Gefühl viel bei ihr lernen zu können!

 

Den Italienischunterricht erteilt wie versprochen Ingrid Pallingen am Dienstag und Donnerstag ebenfalls je eine Zeitstunde für zwei Gruppen. Auch sie kam gut bei den Kindern an. Sie ist den meisten SchülerInnen ja als Mutter von David und Cornelia schon vertraut!

 

 

Am Dienstag Nachmittag hilft nun Evelin Mair beim Handarbeitsunterricht. Auch Mathilde Moser, die sich bisher um die Handarbeit gekümmert hatte, war am ersten Dienstag dabei und stand Lehrern und Schülern mit Rat und Tat zur Seite. Alle Kinder haben eine neue Arbeit begonnen und mehr oder weniger munter darauf losgearbeitet.

 

 

Das erste Mittagessen konnten wir hauptsächlich aus unserer eigenen Ernte im Schulgarten zusammenstellen. Es gab Kartoffeln mit Kräutertopfen und Rohnensalat und zum Nachtisch Zwetschgenkuchen mit Streuseln vom Blech. Erdäpfel und Rohnen hatten wir am Freitag zuvor gemeinsam geerntet. Bei der Zubereitung half neben einigen Schülern ebenfalls Evelin Mair. Am letzten Dienstag kam dann Mathilde zum Kochen.

 

 

Am Freitag übernimmt Helga Tinkhauser wie schon im letzten Jahr den zweistündigen Turnunterricht, den sie allerdings wegen ihrer besonderen Schwerpunkte nun nach gemeinsamer Absprache mit Helmut und mir "Kommunikation und Bewegung" nennt. Es kommt ihr dabei neben der sportlichen Einzelleistung und die meist damit verbundene Konkurrenzhaltung vor allem auf Teamarbeit, gegenseitiges Wahrnehmen und Einfühlen an.

Nach Ablauf der ersten Schultage können wir zufrieden feststellen, dass der Stundenplan gut funktioniert und dem kindlichen Rhythmusbedürfnis  Rechnung trägt!

 

 

Wir unterrichten die bisher 10 Schülerinnen und Schüler in 3 Gruppen: 4 Kinder in Klasse 5/6, 4 Kinder in Klasse 7 und 2 Schüler in Klasse 8. Beim Morgenkreis, beim täglichen Werkunterricht, beim Handarbeiten, beim Putzdienst und beim Abschlusskreis gibt es keine Gruppeneinteilung, und auch bei der Arbeit im „Lernbüro“ ist die Gruppeneinteilung nicht zwingend.

 

Gleich am ersten Schultag haben wir den Kindern das neue Lernbüro für Deutsch und Mathe vorgestellt und ihnen erklärt, wie jeder individuell darin arbeiten und sich fortbilden kann. Es wird noch ein bisschen dauern, bis alle wirklich eigenständig damit umgehen können, aber wir Lehrer stehen ja jederzeit unterstützend zur Verfügung. Jedenfalls haben wir dort den gesamten Lernstoff für die 5. Grundschulklasse bis zur 3. Mittelschulklasse in Form von Erläuterungen und zahlreichen Übungen schülergerecht zusammengestellt. Außerdem hängen in den Gruppenräumen Übersichtpläne aus, anhand derer ersichtlich wird, was jeder Schüler in diesem Schuljahr in Deutsch und Mathe lernen sollte.

 

Manuela Madlaner hat uns 2 Bürostühle und 5 Computer geschenkt, die inzwischen von ihr und einem Fachmann fast fertig installiert wurden. Auch Georg Mair hat einen Computer gespendet! Außerdem haben wir 3 weitere Bürostühle für insgesamt 10 Euro beim Flohmarkt erworben. Es geht doch voran!

 

Ingrid Pallingen hat inzwischen den Putzplan und die neuen Namens- und Adresslisten erstellt!

 

Am Sonntag, den 29. September, ist Michaeli-Tag. Deshalb wollen wir am Dienstag, den 1. Oktober, wie in den letzten beiden Jahren auf dem Dorfplatz des Kinderdorfs ein kleines Michaelifest feiern. Dafür bauen die Kinder zurzeit einen großen Drachen aus Pappkartons, der dann beim Fest abgebrannt wird. Außerdem wollen wir wieder Stockbrot über dem Feuer backen, schmieden und falls jemand von euch welche mitbringen kann, natürlich auch Kästn braten. Die Kinder haben ihren Spaß und die Eltern Gelegenheit zum Klönen. Hierzu wollen wir auch die Kinderdorfbewohner einladen. Der Dienstag bietet sich an, weil die Kinder ja an diesem Tag sowieso bis um 16.30 Uhr in der Schule sind und wir dann gleich anschließend mit der Feier beginnen könnten. So können Eltern und Freunde einfach ab 16.30 Uhr dazu stoßen und anschließend die Kinder mit nach Hause nehmen.

 

 

Unser Herbstausflug findet in diesem Jahr am  Donnerstag, den 17.10., statt. Wir fahren passend zum Gesteinskunde-Projekt der „Großen“ nach Teis ins Mineralienmuseum, wo wir ab 9.00 Uhr eine Führung mitmachen und anschließend bis ca. 11.45 Uhr selber unter Anleitung nach „Teiser Kugeln“ suchen können. Die genauen Abfahrts- und Ankunftzeiten geben wir rechtzeitig bekannt.

 

Wir brauchen Nachschub an Grundnahrungsmitteln für unsere Küche! Es fehlt an Zucker, Kräutersalz, Gemüsebrühe, Puddingpulver, Vanillezucker, Balsamico– und anderem Essig, Eiern, Butter, Zwiebeln und Kartoffeln. Wer etwas beisteuern kann, melde sich bitte in den nächsten Tagen bei Cornelie!

 

Ein neuer Schüler für die 7. Klasse hat sich vorgestellt und will bis Ende der Woche entscheiden, ob er wirklich kommt.

 

 

Unsere Schule geht weiter!

 

Nach zahlreichen, anstrengenden Sitzungen, während derer eine unserer Kolleginnen hauptsächlich aus finanziellen Sorgen und einsetzenden Zweifeln an der Sinnhaftigkeit unseres Projekts in Südtirol ihre Mitarbeit für das nächste Schuljahr kündigte und sich zwei weitere Familien entschlossen, ihre insgesamt 4 Kinder von der Schule abzumelden, sah es zunächst so aus, als müssten wir aufgeben.

Doch dann erhielten wir im Sommernewsletter der Schulen der Zukunft die Videos und Referate vom Bildungskongress Ende Mai 2013 in Zürich. Diese haben uns Lehrer derart beflügelt, dass wir entschlossen waren, alles zu tun, um die Schule zu retten. Unsere Initiative durfte einfach nicht untergehen! Nach langen Gesprächen und gründlichen Machbarkeitsüberlegungen mit den verbleibenden und neu hinzugekommenen Eltern, fassten diese langsam wieder Vertrauen und Mut und fanden schließlich zu einem neuen Bündnis und der Gewissheit: Gemeinsam schaffen wir das! 

So kam es schließlich auf dem Elternabend am 13. August bei Sturzregen und Gewitter zu einer positiven Entscheidung für das kommende Schuljahr.

 

Die Gründe, die zur Krise führten, liegen vor allem in den sich im letzten Jahr geänderten Finanzgesetzen, die zu unerwartet hohen Kosten führten und dadurch die Elternbeiträge in die Höhe zu treiben drohten. Einige Eltern fühlten sich am Rande ihrer Möglichkeiten und Kräfte. Sponsoren waren keine in Sicht.

Der erhoffte Schülerzulauf für das kommende Schuljahr blieb aus, was ebenfalls zum Verzagen einiger Mitglieder führte. 

Die Mittelschulprüfung hatten zwar alle Schülerinnen und Schüler bestanden, aber einige Eltern hatten sich bessere Noten erhofft. 

So kam eins zum anderen und drückte auf Stimmung und Motivation.

 

Doch nun starten wir mit neuem Mut, neuen Vorsätzen und vielen neuen Ideen durch ins Schuljahr 2013/14!

Der innere aktive Kreis hat sich zwar vorerst verkleinert, aber er ist umgeben von einem wohlwollenden Umkreis: Die Universität Bozen begleitet uns auch im nächsten Jahr. Das Südtiroler Kinderdorf unterstützt uns weiterhin. Wir gehören seit kurzem dem Netzwerk Schulen der Zukunft an. Alle ehemaligen Mitglieder stehen uns auch in Zukunft mit positiven Gedanken und Rat und Tat zur Seite.

 

Unsere Schülerzahl ist zunächst erst einmal auf 10 Schülerinnen und Schüler geschrumpft, die sich auf die Klassen 5 – 8 verteilen. 

Diese werden von 2 Hauptlehrern ganztägig betreut, Fremdsprachenlehrer für Italienisch und Englisch und Sportlehrer stoßen wie bisher stundenweise dazu. Einige Eltern haben zusätzlich ihre Hilfe angeboten.

Um den Schülerinnen und Schülern in einigen Kernfächern ein noch individuelleres und selbständigeres Lernen zu ermöglichen, wird ein „Lernbüro“ - zunächst für Mathematik und Deutsch - eingerichtet.

Der Fremdsprachenunterricht wird intensiviert und in Zukunft auch verstärkt auf der Grundlage von Schulbüchern geführt.

Die Eltern wollen und sollen sich in Zukunft leichter einen Überblick über den Leistungsstand und die Mitarbeit ihrer Kinder verschaffen können, um die pädagogische Arbeit angemessen zu unterstützen. 

 

Bis zum Beginn des neuen Schuljahres am 5. September gibt es noch viel zu tun! 

In diesem Sinne: Carpe diem! und bis bald!